Fledermäuse
Fledermäuse – allgemein
Fledermäuse sind die einzigen aktiv fliegenden Säugetiere. Weltweit gibt es über 1.400 Arten, in Deutschland 25. Sie gehören zur Ordnung der Fledertiere (Chiroptera).
🔬 Merkmale
Vorderextremitäten zu Flügeln umgebildet (Flughaut zwischen stark verlängerten Fingern)
Meist nachtaktiv
Orientierung durch Echoortung (Ultraschallrufe)
Körpergröße: von ca. 4 cm (Zwergfledermäuse) bis über 40 cm Flügelspannweite (z. B. Großer Abendsegler)
Lebenserwartung für ihre Größe außergewöhnlich hoch (oft 10–20 Jahre, teils länger)
🌍 Verbreitung
Fast weltweit verbreitet (außer Polarregionen und einigen abgelegenen Inseln)
Besonders artenreich in tropischen Gebieten
In Europa ausschließlich insektenfressende Arten
🍽 Ernährung
In Europa: Insekten (Mücken, Nachtfalter, Käfer usw.)
In anderen Weltregionen auch Früchte, Nektar, Fische oder – sehr selten – Blut (Vampirfledermäuse in Mittel- und Südamerika)
Eine Fledermaus kann pro Nacht mehrere tausend Insekten fressen – wichtig für natürlichen Insektenschutz.
🏠 Lebensweise
Tagsüber ruhen sie in Quartieren: Baumhöhlen, Felsspalten, Dachstühle, Höhlen
Sommer: Wochenstuben (Weibchen ziehen gemeinsam die Jungtiere groß)
Winter: Winterschlaf in frostfreien Quartieren
Viele Arten sind standorttreu, manche ziehen hunderte bis tausende Kilometer (z. B. Rauhautfledermaus)
👶 Fortpflanzung
Paarung meist im Spätsommer/Herbst
Verzögerte Befruchtung (Spermienüberwinterung) bei vielen Arten
Meist nur ein Jungtier pro Jahr
→ Daher reagieren Fledermäuse empfindlich auf Störungen.
⚠ Gefährdung
Hauptbedrohungen:
Quartierverlust (Sanierungen, Baumfällungen)
Insektenrückgang
Lichtverschmutzung
Windkraftanlagen (für ziehende Arten)
In Deutschland sind alle Fledermausarten streng geschützt.
1. Heimische Arten (Deutschland/Europa)
In Deutschland gibt es über 25 heimische Fledermausarten, alle stehen unter strengem Schutz (nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der FFH-Richtlinie der EU). Beispiele:
Hier ist eine vollständige Liste aller heimischen Fledermausarten in Deutschland. Es sind derzeit 25 regelmäßig nachgewiesene Arten, die alle zur Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) gehören und unter strengem Schutz stehen.
🦇 Heimische Fledermausarten in Deutschland
🏡 Gattung Abendsegler (Nyctalus)
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)
Alpenfledermaus (Nyctalus lasiopterus) – sehr selten
🏡 Gattung Langohrfledermäuse (Plecotus)
Braunes Langohr (Plecotus auritus)
Graues Langohr (Plecotus austriacus)
Alpenlangohr (Plecotus macrobullaris) – selten, in Süddeutschland
🏡 Gattung Mausohrfledermäuse (Myotis)
Großes Mausohr (Myotis myotis)
Kleines Mausohr (Bechsteinfledermaus) (Myotis bechsteinii)
Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
Teichfledermaus (Myotis dasycneme)
Breitflügelfledermaus (Myotis emarginatus)
Brandtfledermaus (Myotis brandtii)
Wimperfledermaus (Myotis mystacinus)
Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe) – sehr selten
🏡 Gattung Hufeisennasen (Rhinolophus)
Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)
Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros)
🏡 Gattung Glattnasen (Pipistrellus, Hypsugo, Vespertilio, Eptesicus)
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)
Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
Spaltenfledermaus (Pipistrellus kuhlii) – Ausbreitung zunehmend
Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus)
Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)
Fahlfledermaus (Hypsugo savii) – zunehmend in Süddeutschland
ℹ️ Hinweise:
Alle Arten sind streng geschützt (EU-FFH-Richtlinie, Anhang IV).
Einige Arten wie Pipistrellus kuhlii oder Hypsugo savii sind neue Zuwanderer infolge des Klimawandels.
Arten wie die Hufeisennasen sind stark im Rückgang und in Deutschland nur noch in wenigen Regionen (z. B. Bayern, Süddeutschland) nachweisbar.
2. Landwirtschaftliche Bedeutung
Fledermäuse leisten einen wichtigen Beitrag zum Pflanzenschutz, da sie große Mengen an Schadinsekten fressen, u.a.:
Eulenfalter, Blattläuse, Zünsler und andere nachtaktive Schädlinge.
Ein einziges Tier kann pro Nacht bis zu 2.000 Insekten vertilgen.
Biologischer Pflanzenschutz → reduziert den Einsatz chemischer Pestizide.
Unterstützen ökologischen Landbau durch natürliche Schädlingskontrolle.
3. Forstwirtschaftliche Bedeutung
Auch im Wald spielen Fledermäuse eine wichtige Rolle:
Reduktion von forstschädlichen Insekten wie Borkenkäfern, Schwammspinnern.
Fördern die Waldgesundheit und Biodiversität.
Einige Arten nutzen Baumhöhlen oder abgestorbene Bäume → Erhalt alter Bäume ist wichtig.
4. Ökologische Bedeutung
Fledermäuse sind wichtige Glieder im Ökosystem:
Räuber: Regulieren Insektenpopulationen.
Beutetiere: Für Eulen, Marder, Uhus usw.
Bioindikatoren: Ihre Anwesenheit zeigt gesunde, vielfältige Lebensräume an.
Fördern Artenvielfalt durch ihr Zusammenspiel mit anderen Tiergruppen.
5. Jagdliche Bedeutung
Fledermäuse sind nicht jagdbar (§2 BJagdG – Bundesjagdgesetz), da sie streng geschützt sind.
Sie sind jedoch indirekt relevant für die Jagd:
Helfen bei der Regulierung von Insekten, die Wildtiere belästigen (z. B. Stechmücken).
Tragen zur Wildgesundheit bei.
Manche Jäger unterstützen gezielt den Fledermausschutz (z. B. mit Nistkästen).
🧾 Fazit
Fledermäuse sind unverzichtbare Helfer in Land- und Forstwirtschaft, erfüllen wichtige ökologische Funktionen und verdienen besonderen Schutz. Ihr Rückgang ist ein Alarmsignal für den Zustand unserer Umwelt. Wer sie schützt, schützt auch viele andere Arten – und das ökologische Gleichgewicht.



